Beratung für Ihre Familie
Die meisten von uns sind nicht vertraut mit einem schulfreien Bildungsweg. Wenn sich dann herausstellt, dass der klassische Bildungsweg nicht zum eigenen Kind und/ oder zur familiären Situation passt, stellen sich viele Fragen. Und auch auf dem weiteren Weg kann das Vertrauen in eigene Fähigkeiten oder in den schulfreien Bildungsweg auch mal ins Wanken geraten.
Viele Familien habe ich genau in diesen Situation begleiten dürfen. Der Blick von aussen auf Situationen kann hilfreich sein, damit junge Menschen mit Begeisterung ihren selbstbestimmten Bildungsweg gehen können. Mit Erwachsenen an Ihrer Seite, welche sie vertrauensvoll begleiten.
Kitafrei und Schulfrei
Frei Lernen / Stressreduktion
Ich biete Euch einen Perspektivwechsel an, wenn es in Kita und Schule nicht so gut läuft. Für Eltern sind schöne Beispiele genannt, wie man Behörden in der Anfangsphase mit individuellen Bildungsplänen Angebote über Homeschooling bieten kann, um später auch Freilernen zu verwirklichen.
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Petra Frank
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Stressreduktion
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Schulpflicht! Auswandern um`s Kind als Freilerner selbst zu unterrichten
Interview mit Petra Frank
Stadt Land Mama am 30. März
Ihr lieben, in vielen Ländern haben Familien ein Recht auf Homeschooling, auf die eigene Beschulung ihrer Kinder. In Deutschland haben sie das nicht, hier gibt es nicht nur eine Bildungs-, sondern auch eine Schulpflicht. Für die Familie von Petra war nach einem ruckeligen Schulstart ihres Sohnes bald klar, dass sie ihn nicht weiter hinschicken möchten. Was also tun? Sie unterhielten sich mit anderen Freilernern… und wanderten schließlich aus, um ihrem Kind Bildung auf eine zukommen zu lassen, die sie für richtig halten. Und nicht andere.
Liebe Petra, wer gehört alles zu eurer Familie und wann und warum seid ihr irgendwann aus Deutschland weggezogen?
Mit meinem Mann und meinem schulfrei lernenden Sohn lebe ich in den Niederlanden. Noch bis Ende August 2016 dachten wir nicht daran, unseren Wohnort ins Ausland zu verlegen. Unsere kleine Doppelhaushälfte befand sich im Münsterland, wir waren gut vernetzt in unserem Ort, hatten viele tolle Nachbarn und waren seit Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert.
Wir fühlten uns alle sehr wohl, so stand eine Auswanderung oder auch ein Umzug für uns nicht zur Debatte. Wir dachten ebenso nicht daran, dass unser Sohn schulfrei lernen würde.
Selbstverständlich machten wir uns vor der Einschulung Gedanken, welche Schule passend sein könnte für unseren Sohn. Vom Lernkonzept aus gefiel uns eine Montessori-Schule in Münster. Allerdings entschieden wir uns für eine nahe gelegene Grundschule. Zum einen hatte er dort bereits Freunde und zum anderen war es für mich beruflich leichter, wieder Fuß zu fassen. Der Besuch der Montessori-Schule hätte eine tägliche Fahrzeit von zwei Stunden bedeutet.
Hattet ihr vor der Einschulung schon mal über Homeschooling oder Auswandern nachgedacht?
Von einer Mutter in einem Kinderwunschforum wusste ich, dass in der Schweiz Homeschooling möglich ist. Diese Mutter stellte entspannt fest, dass die ganze Familie gerne reisen würde. Aus diesem Grund lernten und lebten die Kinder schulfrei.
Dieses Lernkonzept fand ich interessant, die Mutter klang bedacht und sehr sympathisch. Auch wir reisten gerne und besuchten mit Begeisterung Mitmachmuseen, natürlich ebenfalls in der Woche, wenn diese angenehm leer waren. Dennoch kam mir nicht wirklich in den Sinn, dass auch für uns der schulfreie Bildungsweg eine Option sein könnte.
Wie waren die ersten Tage/Wochen in der Schule für deinen Sohn – und auch für euch?
Mein Sohn besuchte knapp zwei Monate lang eine nahe gelegene Grundschule. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir den Schulversuch bereits nach wenigen Tagen abbrechen können. Der Umgangston war rau, stets standen Regeln und Disziplin im Vordergrund, nicht die Menschen. Er tauschte sich gerne mit anderen aus, erkundete mit Vorliebe, wie etwas funktionierte, war gerne aktiv. Im Unterricht war all dies nicht mehr gefragt. Sitzen, zuhören, still sein waren geforderte Eigenschaften.
Die Wiederholungen waren für unseren Sohn eine regelrechte Qual. Er machte alternative Vorschläge, wollte gerne rechnen, viel lieber als hundertmal die 3 oder 4 zu schreiben. Wiederholungen von 300 Mal ein und denselben Buchstaben oder die gleiche Zahl waren an der Tagesordnung. Andere Lernwege waren nicht erwünscht. (Später war die Pädagogin im belgischen Ministerium sichtlich erstaunt, als ich ihr von unseren Erfahrungen berichtete. Noch ein Jahr nach unserem Erstgespräch kam sie erneut darauf zurück. Dass auf so viele Wiederholungen bestanden wurde, konnte die Inspektorin sich beim besten Willen nicht erklären.)
Wir stellten nach wenigen Wochen erfolgten Schulbesuchs fest, dass aus unserem neugierigen, aufgeschlossenen und lustigen Sohn immer weniger im Alltag erkennbar war. Er sagte täglich, dass er nicht mehr zur Schule will. Gespräche mit den Lehrenden brachten keinerlei positive Veränderungen. Bald sprach er nur noch von einem Gefängnis.
Wie hat euer Umfeld reagiert, als sie von euren Plänen hörten, das Land zu verlassen, um eurem Sohn den Präsenzunterricht zu ersparen?
Vor den Herbstferien suchte ich im Internet, ob es auch schulfrei lebende Familien in Deutschland oder in den Nachbarländern gibt. Zum Glück gelangte ich recht schnell auf Websites rund um das Thema schulfrei, Homeschooling, frei Lernen und die Freilerner. Schon zu Beginn der Herbstferien besuchten wir unser erstes Freilerner-Treffen.
Dort trafen wir viele andere Familien. Die meisten Familien einte, dass mindestens eins ihrer Kinder sich deutlich gegen den Schulbesuch aussprach. Ein Mädchen krallte sich tatsächlich jeden Morgen am Heizkörper fest, die Eltern waren aufgelöst und mit den Nerven am Ende. Die ältere Tochter geht selbstverständlich zur Schule, nicht gerne, aber ohne sich zu wehren. Die Jüngere will aber auf gar keinen Fall dorthin.
Andere erzählten von ihrem Weg, den sie bereits in Deutschland schulfrei gehen. Von ihren respektvollen Erfahrungen mit Vertretern von Schule, Bezirksregierung, Jugendamt. Aber auch von Bußgeldern, Gerichtsverfahren und einigen unangenehmen Behördenvertretern. Denen es nur um den Schulbesuch geht und nicht darum, wie es dem Kind oder Jugendlichen geht. Wir sprachen mit Familien, welche im nahe gelegenen Ausland wohnten. In England, Frankreich oder und Belgien.
Als wir abends das Freilerner-Treffen verließen, stand für uns fest, dass wir eine schulfreie Lösung finden werden. Nach einiger Überlegung entschieden wir uns für die Auswanderung.
Unser Umfeld hat sehr unterschiedlich reagiert. Die meisten waren sehr erstaunt, aber auch entspannt. Lediglich die älteren Familienmitglieder hatten Sorge, dass unser Sohn niemals lesen lernen würde. Dies konnte er tatsächlich schon zum Ende der ersten Klasse gut und in der zweiten Klasse durch sein Interesse an Chemie sehr gut, dennoch bestand diese Angst bis ins dritte schulfreie Jahr hinein. Als wir dann nach einem Hauskauf 2019 in die Niederlande gezogen sind, war der schulfreie Bildungsweg für unser Umfeld allerdings schon gar kein Thema mehr.
Wie sichert ihr soziale Kontakte mit Gleichaltrigen für euer Kind?
Schon vor der Auswanderung waren wir aktiv und engagiert. Dies änderte sich auch mit der Auswanderung nicht. Vor Covid19 organisierte ich mit einer befreundeten Familie regelmäßige Treffen in meiner Region. Zu diesem Dreiländertreff kommen Familien, die schulfrei leben oder deren Kinder eine Schule besuchen. Denn wenn Kinder sich aktuell gegen einen Schulbesuch aussprechen, ist ein späterer Schulbesuch nicht ausgeschlossen. Die Treffen werden jetzt wieder aufleben, darauf freuen wir uns schon.
Ebenso organisieren auch andere Familien Treffen, informieren kurzfristig über geplante Ausflüge. Zu diesen Treffen kommen Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters. Für die Kinder und Jugendlichen ist es grundsätzlich gar nicht wichtig, wie alt der oder die andere ist. Wichtiger sind die gemeinsamen Interessen. Zwei Fußballerinnen werden sich trotz eines Altersunterschieds von drei oder mehr Jahren prächtig austauschen und miteinander spielen können. Bei Gleichaltrigen mit unterschiedlichen Interessen, Bücherwurm und Skater, kann dies schon schwieriger sein. So ergeben sich selbstverständlich Freundschaften, welche dann auch außerhalb größerer Treffen im kleinen Kreis gepflegt werden.
Arbeitest du neben der Beschulung deines Sohnes noch oder ist das dein Hauptjob grad? Wie eignet ihr euch selbst den Lernstoff an, Lehrkräfte studieren dafür ja recht lang.
Seit Jahren bin ich Vollzeit für meine Familie und im Ehrenamt engagiert. Bei 40 Wochenstunden und einem Beruf, welcher mich erfüllte, aber auch stark forderte, blieb vor der Geburt meines Sohnes kein Raum und keine Energie mehr für ehrenamtlichen Einsatz. Mit meinem Sohn gemeinsam war und ist mir dies gut möglich.
Die Wege der schulfreien Bildung sind vielfältig. Mein Sohn lernt mit seinen Stärken und Interessen. Wir sind von Deutschland nach Belgien ausgewandert. Dort fertigt jede Familie für ihr Kind im Hausunterricht einen Individuellen Bildungsplan. Aus diesem gehen die Bildungsziele und die jeweiligen Mittel (Museen, Dokumentationen, Spiele, Bücher etc.) zur Zielerreichung hervor. Diese Ziele müssen nicht zwingend mit den offiziellen Bildungszielen übereinstimmen. Doch sollte eine deutliche Entwicklung erkennbar sein.
Dadurch kann jede Familie ihren Weg finden. Es gibt Familien, welche über Onlineschulen die Wissensvermittlung sichern, andere nutzen intensiv klassische Lernbücher und Arbeitshefte. Wir starteten mit klassischen Arbeitsheften. Vor dem Schulbesuch mochte mein Sohn diese Vorschulhefte, er kramte sie immer mal hervor. Nach dem erfolgten Schulbesuch war daran nicht mehr zu denken. Er bearbeitete für mich nach Aufforderung Aufgaben, aber für den Lernfortschritt brachte dies nichts. Dafür lernte er beim Spielen, Toben, in Gesprächen, durch Hörbücher, Spielplatzbesuche und weiteren Ausflügen.
Wir sind gerne unterwegs in Museen, allerdings nur in richtig guten Mitmachmuseen. Mit vielen Stationen zum Mitmachen, Anfassen, Entdecken. Wir nutzen zusätzliche Veranstaltungsangebote von Hochschulen, Museen und Bibliotheken, verbinden Urlaube mit Ausgrabungsstätten, interessanten Orten zu Gesellschaft, Politik oder Geschichte.
Das Lernen basiert auf der intrinsischen Motivation. Meinem Sohn macht der Wissenserwerb Spaß. Mit ihm gemeinsam habe ich bereits in seiner zweiten und dritten Klasse mehr über den Schulstoff der Fächer Chemie und Biologie in den Klassen 5 bis 7 gelernt als in meiner vorherigen Schullaufbahn. Weil es ihn interessierte. Als ich zu Beginn noch im schulischen Denken verhaftet war und erst die Lerninhalte der ersten Schulklasse mit Arbeitsheften abdecken wollte, bestand er darauf, bereits jetzt den Bereich Chemie bearbeiten zu können. So perfektionierte er innerhalb kürzester Zeit die Lesekompetenz auch hinsichtlich seltener Fachbegriffe.
Es gibt bereits jetzt in Deutschland Angebote, welche naturwissenschaftliche Unterrichtsfächer abdecken. Neben den Angeboten in Nachbarländern. Das Mitmachlabor Chemikum Marburg begeisterte uns bereits, als unser Sohn 5 Jahre alt war. Naturwissenschaftlich orientierte Museen gibt es wirklich viele, wie die Imaginata in Jena mit der erfahrbaren Möbius-Schleife, die richtig großen Museen wie die Experimenta in Heilbronn oder das Deutsche Museum in München.
Unsere Aufgabe als Eltern ist, auf die Interessen unseres Sohnes zu achten, ihm entsprechende Angebote zu machen. Da kann ich auch schon mal mit einem Angebot keinen Erfolg haben. Ich sehe ein Spiel und denke, dies könnte passen. Wenn es das nicht in den von uns besuchten Bibliotheken gibt, bestelle ich dieses. So habe ich auch schon Spiele weitergegeben, welche hier nur einmal gespielt wurde und meinem Sohn einfach nicht gefielen.
Ihr seid dann nochmal umgezogen….
Als wir auswanderten, dachten wir, dass unser Sohn nach einiger Zeit im Hausunterricht bestimmt eine Schule besuchen möchte. So mieteten wir uns eine Wohnung. Nach mehr als zwei Jahren war uns jedoch bewusst, dass dieser schulfreie Bildungsweg für uns als Familie sehr gut passt. Wir hatten bereits in Deutschland eine kleine Haushälfte und wollten nun auch hier wieder im eigenen Haus leben.
Aufgrund der hohen Kaufnebenkosten von ca. 25% bei dem Kauf eines zweiten Hauses in Belgien entschieden wir uns für den Kauf eines Hauses 6 km weiter nördlich in den Niederlanden. Die 2,5% Kaufnebenkosten in den Niederlanden waren deutlich angenehmer für unseren Geldbeutel. (Mit dem Ende der Schulpflicht unseres Sohnes wird es uns wahrscheinlich wieder nach Deutschland in die alte Heimat ziehen.)
Das zweite Argument für die Niederlande betraf die Sprache. Wir sprechen alle Englisch. In den Niederlanden ist Englisch überall selbstverständlich. Allein durch die Flüchtlingshilfe waren wir gewohnt, Englisch im Alltag zu nutzen, ein Freund meines Mannes kam aus den USA und sprach ausschließlich Englisch. Unser Sohn ist mit der Sprache aufgewachsen, wenn er Filme einmal gesehen hat, schaute er diese über Jahre beim nächsten Mal lieber auf Englisch.
Aktuell hat er ein Spiel auf dem PC, zu welchem ein Youtuber Videos einstellt. Er mag dessen Ausdrucksweise, allerdings spricht und erklärt dieser auf Englisch. Auch über technische Details. Mittlerweile frage ich meinen Sohn, wenn ich eine englische Vokabel nicht übersetzen kann. Meist hilft er mir weiter. Ohne jemals Vokabeln gelernt zu haben.
Da bereits zwei Argumente für die Niederlande sprachen und wir auch dort weiterhin schulfrei leben konnten, entschieden wir uns für den Umzug in ein weiteres europäisches Nachbarland.
Sprecht ihr mit eurem Sohn darüber, dass ihr euer bisheriges Leben in der Heimat im Grunde für ihn hinter euch gelassen habt?
Ihm ist bewusst, dass wir für die Wahrung seiner Rechte ausgewandert sind. Durch unser Haus und die in der alten Heimat lebenden Freunde und die Familie bricht der Kontakt allerdings zum vorherigen Leben nicht komplett ab. Es liegen bei uns nur 200 km zwischen der alten und der neuen Heimat.
Für uns wäre kein anderer Weg denkbar gewesen. Wären wir in Deutschland geblieben, hätten wir zwingend gegen geltendes Recht verstoßen müssen. Im Rahmen der Flüchtlingshilfe betonten wir immer wieder, dass alle Menschen ein Recht auf ein gewaltfreies Leben haben, Männer, Frauen und auch die Kinder. Im BGB findet sich das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung. So darf kein Kind körperliche oder seelische Gewalt in der Erziehung erleiden.
Im Notfall darf ich natürlich mein Kind am Arm festhalten. Wie auch jeden anderen der gerade unachtsam vor ein Auto rennen würde. Aber ich darf mein Kind nicht in die Schule zerren. Jegliche Gewalt aus erzieherischen Gründen, auch mittels Drohungen oder psychischem Zwang, sind unzulässig. Wenn ein Kind ganz klar in der Haltung ist, dann ist die Durchsetzung des Schulbesuchs ohne unzulässige physische oder psychische Gewalt nicht möglich. Auch ist das Bildungsrecht durch einen gewaltvoll erzwungenen Schulbesuch nicht gesichert. Wer an einem Ort nicht sein will, der kann an diesem auch nichts Gutes lernen.
Die Achtung der aufgeführten Kinderrechte führt zu einem Verstoß gegen die Schulpflicht, genauer gegen die Pflicht, im Schulgebäude, im Klassenraum anwesend zu sein. Ein typisches Dilemma. Wir wissen, dass Familien auch in Deutschland auf Wunsch der Kinder den schulfreien Bildungsweg gehen. Doch wäre dieser Weg für uns deutlich anstrengender als unsere Auswanderung.
Würdet ihr alles wieder so machen oder gibt es Dinge, die ihr mittlerweile anders machen würdet?
Mit dem heutigen Wissen würde ich uns bereits nach der ersten Schulwoche abmelden. Vielleicht auch schon nach den ersten beiden Tagen. Oder nach dem ersten Tag.
Seid ihr glücklich?
Was ist Glück? Für mich gibt es kein permanentes Glücklichsein. Aber es gibt Zufriedenheit und die vielen schönen Momente. Wenn wir es schaffen, diese tollen Sekunden auch im Alltag wahrzunehmen, dann sind dies echte Glücksmomente.
Wir sind zufrieden, sonst wären wir nicht in den Niederlanden. Dennoch hätte ich gerne die Wahl gehabt bezüglich der Schulanwesenheit in Deutschland. In den Nachbarländern können Kinder und Jugendliche den schulischen oder den schulfreien Bildungsweg wählen. Warum sollte ausgerechnet Deutschland das Bildungsrecht der Kinder nicht auch schulfrei sichern können?
Zurück in die alte Heimat können wir jederzeit, doch wären wir nicht gegangen, würden uns auch unabhängig von der Schulpflicht neue Erfahrungen fehlen. Wir haben neue Freunde dazu gewonnen, tolle Orte besucht, die wir nie entdeckt hätten.
Wir leben Europa. Es ist interessant, dass auch tief sitzende Glaubenssätze mit dem Übertritt der Grenze plötzlich aufgehoben sind oder absurd erscheinen. Dies betrifft nicht nur die Schulpflicht, dies betrifft auch eine würdevolle Rente. Unabhängig von der erbrachten oder auch gar nicht erbrachten Arbeitsleistung in den 45 Jahren zuvor. Auch die reguläre Arbeitszeit oder die zu arbeitenden Tage sind nicht so zwingend vorgegeben, wie einige dies verkünden. Die hierarchischen Strukturen in Unternehmen variieren von Land zu Land. Es gibt so viele Beispiele. Die mögliche Vielfalt des Lebens ist gemeinhin größer, als man innerhalb der jeweiligen Grenzen denkt.
Wie sagt der Volksmund: „Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat´s gemacht.“